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MOZ Freitag, 27. Januar 2012      Uckermark Anzeiger            zurück
Bioenergie vom Bio-Bauernhof
Gut Kerkow könnte Kraftwerk eines Bioenergiedorfes sein /
Wärme der Biogasanlage reicht aus, um 90 Prozent der Haushalte zu heizen
Von DANIELA WINDOLFF

Kerkow (MOZ) Milch, Fleisch, Kartoffeln, Getreide - der Landwirtschaftsbetrieb von Johannes Niedeggen produziert alles, was ein traditioneller Bauernhof hergibt. Neuerdings aber auch Strom und Wärme. Die Bioenergie vom Bio-Bauernhof will jedoch bisher niemand haben.

"Der Mensch muss nicht nur essen und trinken. Er braucht auch Wärme." Johannes Niedeggens Philosophie ist schlicht und einleuchtend. Und so produziert der Landwirt nicht nur Milch und Fleisch, die er direkt ab Hof vermarktet, sondern seit 2005 auch Strom und Wärme. Aus Biogas.
   "Von der Milch allein hätte der Betrieb bei den niedrigen Erzeugerpreisen kaum überleben kön- nen", erklärt Johannes Niedeggen, der seit 1992 in Kerkow Milchkühe hält. "20 Jahre Milcher- zeugung haben sich nie wirklich gelohnt", klagt

Kerkow aus anderer Perspektive: Das Dorf könnte Modell stehen für eine dezentrale, regionale Energieversorgung durch das Gut Kerkow. Die Bürger sind noch skeptisch.
Foto: Wilfried Bergholz
der Milchbauer. Erst mit der Umstellung auf Bio, die Gut Kerkow im November 2011 vollendet hat, wird der Milchpreis mit 40 Cent je Liter einigermaßen rentabel, auch wenn Niedeggen nur noch halb so viele Kühe hält und die wiederum nur noch halb so viel Milch geben. Dafür müssen kein teures Futter und keine Chemie mehr zugekauft werden.
   Was der Hof braucht, produziert er selbst, einschließlich Strom und Wärme. Der Landwirt wird Energiewirt, weil die traditionelle Landwirtschaft allein den Hof nicht ernährt. "Früher hat ein 20-Hektar-Hof eine Großfamilie ernährt, heute könnten nicht mal Mann und Frau davon leben. Landwirtschaft ist im Wandel. Bei allem Idealismus muss ich auch rechnen, um den Betrieb am Markt halten und die 18 Arbeitskräfte bezahlen zu können. Die Biogasanlage war dafür wirtschaftlich die beste Entscheidung", betont Bauer Niedeggen
Kühe erzeugen Mist. Mist enthält noch wertvolle Energie, die in der Biogasanlage in Strom umgewandelt wird. Zugefügt wird als Biomasse außerdem Luzerne vom eigenen Acker sowie Maissilage vom Nachbarn. "Bei der Stromerzeugung über einen Verbrennungsmotor entsteht wie bei einem Automotor Wärme als Nebenprodukt", erklärt Niedeggen.
   625 Kilowatt Strom und 700 Kilowatt Wärme erzeugt die Biogasanlage. Rund zehn Prozent des Stromes verbraucht der Hof. Der Rest wird verkauft. Bei 20 Cent je Kilowattstunde toppt der Strom fast den konventionellen Milchpreis. 30 Prozent der erzeugten Wärme heizen komplett die Gebäude des Gutes. 70 Prozent verpuffen noch ungenutzt. "Dabei könnte mit der überschüssigen Wärme Kerkow zu 90 Prozent mitversorgt werden", rechnet Johannes Niedeggen vor.
   Erneuerbare Energie in kleinen, regionalen Kreisläufen - Gut Kerkow könnte Modell stehen für klimafreundliche nachhaltige Energieversorgung im ländlichen Raum. Das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, in dem Kerkow liegt, fördert gerade solche Modelle von Bioenergiedörfern. Kerkow wurde dafür ausgewählt.Mit Experten der Universität Göttingen wurden Analysen, Machbarkeitsstudien und Konzepte entwickelt und diese in Einwohnerversammlungen vorgestellt. Doch das Interesse der Dorfbewohner ist gering, die Skepsis groß.
   "Mir tut es weh, dass ich hier Wärme übrig habe und 500 Meter weiter teures Erdgas aus Russland verfeuert wird", sagt Niedeggen. Finanziellen Vorteil bringe es dem Gut nicht. Es gehe vor allem um eine sinnvolle, umweltfreundliche Energienutzung.
   Doch Biogasanlagen sind mittlerweile in Verruf geraten. "Es ist das Gesetz des Kapitalismus, dass alles immer größer und gewinnbringender werden muss. Kleinteilige, dezentrale Lösungen sind nicht gewünscht. Großanlagen wie in Penkun, Schwedt oder Prenzlau werden besser gefördert als kleine. Sie fressen Mais in Größenordnungen, weil sie gar nicht anders konzipiert sind, im Gegensatz zu kleineren Biogasanlagen, die anfallenden Mist und Gülle vom Hof verwerten", sagt Niedeggen. Akzeptanz bei Bürgern könne man am ehesten gewinnen, wenn sie selbst etwas davon ha-

Vielfalt vom Hof: Bauer Johannes Niedeggen bietet neuerdings auch Kartoffeln und selbst gepresstes Öl an. Alles Bio.                          Foto: MOZ/Daniela Windolff
ben, ist der Land- und Energiewirt überzeugt. Das Konzept einer Nahversorgung könne im Dorf Kerkow gut funktionieren. Das haben auch die Untersuchungen der Experten im Rahmen des Modellprojektes Bioenergiedorf bestätigt. Beispiele anderer Bioenergiedörfer wie Feldheim, die sich die Kerkower angeschaut haben, zeigen, dass es neben geduldiger Aufklärung auch einen Motor im Dorf braucht, eine Handvoll Engagierte, die von Anfang an mitziehen.
   Zu den wenigen Befürwortern eines Bioener- giedorfes Kerkow gehört Bernd Winkler, Chef der Angermünder Wohnbauten GmbH, der sich eine dezentrale Versorgung unabhängig von Energiemonopolisten und Öl- und Gaskonzer- nen auch für die Häuser seiner Gesellschaft gut vorstellen kann. "Ich hoffe, dass wir anhand erster Beispiele zeigen können, dass es funktioniert", gibt sich Johannes Niedeggen zuversichtlich.

MOZ Donnerstag, 12. Januar 2012      Uckermark Anzeiger            zurück
Biberbahn wird Biber-Bus
Jury wählt aus über 50 Vorschlägen neuen Namen für UVG-Shuttleum den Wolletzsee /
Taufe am Ostersonnabend
Von DANIELA WINDOLFF

Angermünde/Schwedt (MOZ) Der Biber bleibt. Im Kreativwettbewerb der UVG für einen Namen des neuen Busses, der die ausgediente Biberbahn ersetzen soll, ist die Entscheidung gefallen. Wiedererkennungs- wert, Eingängigkeit und Symbolkraft spra- chen für den Biber-Bus.

Die Liste der Vorschläge ist lang und bunt: Kranichbus, RundUM, Heidenbus, Hirschmobil, Kecke Schnecke, Ottitrans, Schneller Flug, Biberexpress, Uckermark-Shuttle oder Ent- deckerbus.
   Über 50 Namensvorschläge für den Nach- folger der ausgedienten Biberbahn sind bei den Uckermärkischen Verkehrsbetrieben UVG in Schwedt eingegangen. Die hatten gemeinsam mit der Stadt Angermünde zu einem Kreativ- wettbewerb aufgerufen. Die alte Biberbahn wurde nach zehn Jahren in den Ruhestand geschickt und soll nun durch einen modernen, klimatisierten Kleinbus ersetzt werden, der zum Saisonstart im April auf Tour gehen wird.

Die Jury entscheidet: Christian Radloff, Stadt Angermünde, Christian Mercier, Stadtwerke Angermünde, Grit Krstanovic, UVG, Jörg Kienast, Blumberger Mühle, Johanna Henschel, Tourismusverein Angermünde, und Daniela Windolff, MOZ-Redakteurin (von links), einigen sich unter den vielen Vorschlägen auf einen Namen: Biber-Bus.
Foto: MOZ/Oliver Voigt

   An der Namenssuche hätten sich Kinder der Angermünder Gustav-Bruhn-Grundschule, Siebtklässler der Ehm Welk-Oberschule, Kinder des Dorfvereins Crussow und Einzelpersonen beteiligt. Viele Kinder haben dazu Bilder gezeichnet. Die Crussower Kinder bastelten sogar in Gemeinschaftsarbeit Busse aus Papier.
   So viel Mühe soll belohnt werden, auch wenn sich die Jury letztlich nur für einen Favoriten entscheiden konnte. Dabei war schließlich in der engeren Auswahl zwischen Biber-Bus, Wolletzsee-Shuttle und Entdeckerbus der Wiedererken- nungswert und die Symbolkraft des Bibers das Zünglein an der Waage. Der Biber steht als typischer Bewohner der Region rund um den Wolletzsee für Wasser und Natur und besitzt das Potenzial zu einem liebenswerten Maskottchen. „Wir brauchen einen prägnanten Namen, der sich auch bei Touristen außerhalb der Stadt gut vermarkten lässt und typisch für den Erholungsort Angermünde ist“, er­klärte Johanna Henschel, Chefin des Angermünder Tourismusvereins, und bekam ungeteilte Zustimmung auch vom Leiter der Blumberger Mühle Jörg Kienast, der an die zahlreichen Spuren erinnerte, die der Biber mit seinen Burgen und angenagten Baumstämmen hinterlässt. Der Biber sei schlechthin das Symbol des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin, wogegen der Kranich eher zum Nationalpark Unteres Odertal und der Otter nach Mecklenburg-Vorpommern gehört.
   Nun wird, der Kleinbus mit rund 20 Sitzplätzen am Ostersonnabend (7. April) feierlich „Biber-Bus“ getauft und alle, die am Wettbewerb teilgenommen haben, sind dazu eingeladen. Außerdem winkt ihnen eine besondere Überraschung: ein gemeinsamer Erlebnistag, verspricht Grit Krstanovich von der UVG, ohne schon Einzelheiten verraten zu wollen.
   Bis dahin wird das Gefährt auch grafisch gestaltet, um als Biber-Bus auf den ersten Blick erkennbar zu sein. Seine Jungfernfahrt wird der Ausflugsbus jedoch schon zum Saisonstart am 1. April haben.
   Dabei wird die Route bedeutend erweitert. Der Biber-Bus fährt künftig zwischen April und Oktober täglich im Zweistundentakt rund um den Wolletzsee, und zwar in beiden Richtungen: einmal vom Angermünder Bahnhof aus über Kerkow zur Blumberger Mühle und weiter nach Görlsdorf, Wolletz, Altkünkendorf und zurück nach Angermünde. Die Gegenrichtung führt vom Angermünder Bahnhof nach Altkünkendorf, Wolletz, Görlsdorf, an den Fischteichen entlang zur Blumberger Mühle, Kerkow und Angermünde. Eine Rundfahrt dauert etwa 70 bis 80 Minuten. Im Sommer wird außerdem jeweils auch das Strandbad Wolletzsee angefahren. Durch die neue Route werden nun viele Ausflugsziele und Sehenswürdigkeiten abgedeckt und auch der Grumsiner Forst als Weltnaturerbe wird damit erreichbar sein.


MOZ Mittwoch, 11. Januar 2012      Uckermark Anzeiger            zurück
Der Tod der kleinen Tiere
Eine Ausstellung im Rathaus Angermünde widmet sich der ökologischen Stadtbeleuchtung
Von ALEXANDER KEMPF

Angermünde (MOZ) Jährlich gibt es in Deutschland 150 Billionen Tote. Sie sterben an Straßenlampen. Die Rede ist von Insekten, die an den Lichtquellen verenden. Das ist nur ein Aspekt, auf den der Naturschutzbund in seiner Wanderausstellung „Ökologische Stadtbeleuch- tung“ hinweist, die noch bis Ende des Monats im Angermünder Rathaus zugehen ist.
   Anita Schwaier vom Verein Zukunft Bios- phäre und Lebensraum Angermünde (Zubila) hatte sich für die aus mehreren Aufstellern bestehende Schau stark gemacht. Zur Eröf- fnung mahnte sie diese Woche vor einem Dutzend Besuchern an, Licht einzusparen, damit keine Energie verschwendet und die Natur geschont wird.

Expertengespräch: Anita Schwaier (l.) vom Verein Zubila und Beate Blahy vom Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin sorgen sich um das Wohl von Insekten.
Foto: MOZ/Oliver Voigt
   Gerade Kommunen sollten laut Anita Schwaier eine Vorbildfunktion übernehmen - also mit leuchtendem Beispiel vorangehen. Sie lobte LED-Lampen als eine lohnenswerte Investition. Einzelne Modelle würden bereits eine Energieausnutzung von 95 Prozent erreichen.
   In Angermünde gebe es noch viel zu tun, sagte Anita Schwaier. „Es gibt zu viele Lampen, die nach oben statt nach unten strahlen.“ Auch schmerze es sie, wenn Insekten an Lampen verbrennen. Viele Tode seien zu vermeiden, stimmte ihr Beate Blahy vom Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin zu. Denn die Lichtwellen entscheiden darüber, wie stark ein Insekt von einer Lampe angezogen wird. „Insekten haben andere Augen als wir“, erklärte sie. Helles Licht würde etwa Fle­dermäuse stark irritieren.
   Vor allen Dingen in wenig belebten Straßen in Angermünde sollte nach Meinung von Anita Schwaier nachts mehr Licht eingespart werden. Die Straßenbeleuchtung könnte gedimmt oder ganz ausgeschaltet werden, regt sie an. Die Ausstellung liefert dazu einige Anregungen.
   Baudezernent Norbert Stein wähnt Angermünde in Sachen Nachhaltigkeit auf einem guten Weg. Sowohl der Tierschutz als auch die Energieeffizienz werden bei der Stadtbeleuchtung berücksichtigt. In Teilen der Kernstadt sowie einzelnen Ortsteilen werde die Beleuchtung bereits gedimmt oder aber zeitweise Lampen abgeschaltet. Denn Licht ist ein großer Kostenfaktor. Die Stadt zahlte im vergangenen Jahr für ihre 3000 Lichtpunkte 220 000 Euro. Der Unterhalt kostete nur 47 000 Euro. Die Energie verschlang 173 000 Euro.
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