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Der Grumsin und die Menschen - Nutzungsgeschichte

Ein Wald im Wandel: Seit gut 20 Jahren ist der Buchenwald Grumsin Totalreservat, in dem die Natur Vorrang hat. Das Betreten und jegliche wirtschaftliche Nutzung sind untersagt. Doch das war nicht immer so. Über mehrere hundert Jahren nutzten die Menschen den Grumsiner Forst und prägten sein Bild.

 

Besiedlung

Die ersten urkundlichen Erwähnungen der Orte am Rand des Buchenwaldes Grumsin reichen ins 13. und 14. Jh. zurück (Groß-Ziethen 1275, Altkünkendorf 1287, Klein Ziethen 1329, Schmargendorf 1354 und Neugrimnitz 1682). Nach dem 30-jährigen Krieg, als Dörfer zerstört und entvölkert waren, wurden Menschen aus Nordfrankreich und der Pfalz angesiedelt. Sie prägten die Kultur und Wirtschaft in den Gemeinden. Noch heute erinnern z. B. die Namen einiger Bewohner von Groß-Ziethen an die französischen Siedler. Mit der steigenden Bevölkerung erhöhte sich der Druck auf den Wald. Flächen zur Siedlungserweiterung wurden benötigt. Es erfolgten Rodungen zum Zwecke der
Umwandlung in Ackerflächen oder Entwässerungen wie am Ziethener Seebruch zur Grünlandgewinnung.

 

Forst- und Viehwirtschaft

Eine der ältesten Nutzungen des Waldes ist die Waldweide. Auch im Grumsin war einige Jahrhunderte nicht der Holzertrag sondern die Schweinemast die einträglichste Einnahmequelle. Die masttragenden Bäume, v.a. Eichen, standen unter besonderem Schutz. Über die Jahrzehnte formte dies ein typisches Waldbild mit überalterten Baumruinen.

Solange Mast und Jagd die hauptsächlichen Nutzungen des Waldes waren, dominierte die Traubeneiche. Aber mit der Wende vom 17. zum 18. Jh. setzte der verstärkte Einschlag in die Alteichenbestände ein, besonders nach den starken Frostschäden des Jahrhundert-Winters 1739/40 mit bis zu -39°C. Auch die holzhungrigen Glashütten in Althüttendorf und Neugrimnitz wollten versorgt werden. Bereits 1767 war der Grumsin durch Waldweide und Eichenhieb sehr licht. Die Waldweide begünstigte das Aufkommen der Buche. In der ersten Hälfte des 19. Jh. als die Schäden der Waldweide ihren Höhepunkt erreichten, wurden die Weideberechtigungen schrittweise eingestellt. Gleichzeitig wurde die ganzjährige Stallhaltung bei Rindern eingeführt. Dies brachte eine neue Waldnutzung, die so genannte Streunutzung mit Entnahme von Nadel- und Laubstreu als Ersatz für Stroh, mit sich. Dies hatte eine sehr schädliche Wirkung auf die Bodenfruchtbarkeit und die Bäume reagiertem mit schlechterem Wuchs.

Nach 1945 kam es durch die Vergabe von Waldstücken im Zuge der Bodenreform an Bauern der umliegenden Dörfer zu größeren Nutzungen. Besonders Bau- und Brennholz war sehr gefragt. Auch fanden einige größere Kahlschläge für Reparationsleistungen statt.

 

Mitte der 60er Jahre wurde der Grumsin in den Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb Neuhaus/Uckermark eingegliedert. Dies war kein gewöhnlicher Forstbetrieb sondern Staatsjagdgebiet von Erich Mielke, Minister für Staatssicherheit der DDR. Die Holznutzung stand im Hintergrund, so dass sich ein großer Altholzbestand aufbauen konnte. Im Zuge der Wiedervereinigung kam es 1990 zur Ausweisung des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin und das Gebiet wurde zum Naturschutzgebiet „Grumsiner Forst/Redernswalde“ und gleichzeitig zum Naturentwicklungsgebiet erklärt.

 

Wald und Wild

In der Mitte des 16. Jh. wurde ein erster großer Wildzaun am Nordrand der Schorfheide errichtet. Dieser Wildzaun verlief in West-Ost-Richtung auf 70 bis 80 km Länge von der Havel bis zur Oder und zog sich auch durch den heutigen Buchenwald Grumsin. Der Zaun trennte die waldreiche Schorfheide im Süden von der ackerbaulich genutzten Uckermark im Norden und sollte verhindern, dass das Wild nach Norden übertritt und Verbissschäden an den Feldfrüchten anrichtet. Der Zaun fiel dem 30-jährigen Krieg zum Opfer. Im Jahr 1661 begann der Wiederaufbau. Entlang des neu entstehenden Zaunes wurden Zaunsetzer und -wärter angesiedelt. Auf diese Weise entstand 1728 das heutige Dorf Grumsin, welches noch lange Zeit Sitz der Oberförsterei war.

Das Rotwild hatte sich während des ganzen 19. Jh. vermehrt und wurde gehegt. Der zunehmende Bestand schadete dem Wald. Das Schwarzwild dagegen richtete v. a. große Schäden an den landwirtschaftlichen Kulturen an und wurde deshalb kurz gehalten. Dem Oberförster wurde die völlige Ausrottung der Schweine angeordnet. Ein paar Exemplare überlebten jedoch. In den Staatsjagdgebieten ab Mitte der 1960er galt es, den Jägern möglichst imposante Hirsche zu präsentieren. Dafür wurden extrem hohe Wilddichten in Kauf genommen und sogar Kraftfutter zugegeben. Eine Naturverjüngung heimischer Baumarten hatte kaum eine Chance.

Heute herrscht Jagdruhe in der Kernzone bis auf zwei Drückjagden im Jahr. Die Regulierung der Wilddichten ist notwendig, um eine natürliche Vegetationsentwicklung in der Kernzone zu ermöglichen und Wildschäden in den angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen zu vermeiden. Das Schalenwildmanagement im Großteil der Kernzone unterliegt dem Förderverein des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin.

 

Auch wenn v. a. in den letzten Jahrzehnten eine weitgehend natürliche Waldentwicklung stattfand, so sucht man vergeblich Großsäuger und Raubtiere. Aus dem Jahr 1583 stammt der letzte urkundliche Beleg für das Vorkommen von Bären. Die letzte urkundliche Erwähnung von Elchen und Wisenten geht auf das Jahr 1720 zurück. Große, angeordnete Wolfsjagden führten zur Ausrottung des Wolfes. Der letzte schriftliche Beleg über das Vorkommen von Luchsen stammt von 1734.

In den letzten Jahren wurden jedoch vereinzelt Vertreter dieser Arten beobachtet. Langfristig gesehen ist daher eine natürliche Wiederansiedlung möglich.

 

 

Quelle: Luthardt, M., R. Schulz & M. Wulf (2004): Ein Buchenwald im Wandel der Zeit. 300 Jahre Nutzungsgeschichte im Grumsiner Forst. Verlag Natur & Text

 

 

 

 

 

 

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Diese Seite wurde im Rahmen des nach ILE/LEADER-Richtlinie geförderten Projektes "Informations- und Kooperationsmanagement für das Weltnaturerbe Grumsin" erstellt.