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Projekt 2009 "Kartoffel-Kultur"

frei
"Kartoffel-Kultur"
ein Netzwerk für die Vielfalt

 

Das Projekt „Kartoffel-Kultur“ will auf den Verlust der Vielfalt bei Kartoffeln aufmerksam machen. Ideengeber des Kartoffel-Kulturprojekts ist das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Träger des Projekts ist der Kranichland-Förderverein für kulturelle und regionale Entwicklung e.V. mit Sitz in Parlow. Die Naturwacht des BR S-C führt ihre Junior Ranger mit praktischen Aktionen durch das Kartoffeljahr. Der VERN e.V. in Greiffenberg bewahrt alte Kulturpflanzen, von ihm kommen die alten Kartoffelsorten, die wieder auf Feldern und in Gärten der Region heimisch werden sollen. Das BIORAMA-Projekt in Joachimsthal am Alten Wasserturm veranstaltet eine Kunst-Installation zum Thema Kartoffel, verknüpft den Standort mit dem Dorf Parlow über einen Kartoffelweg und führt geradewegs zum fünften Partner: Im Gasthof Am Speicher in Parlow hat die Kartoffel einen Ehrenplatz auf der Speisekarte, die jeden Monat wird ein neues Kartoffelgericht anbietet.

 

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Blick über den Feldrand
Mehr als fünftausend verschiedene Kartoffelsorten gibt es auf der Welt, die meisten in Südamerika, denn dort liegt der Ursprung ihrer Nutzung durch den Menschen. Bauernmärkte bieten bis heute eine fast unübersehbare Formen- und Farbenvielfalt, verknüpft mit unterschiedlichen Vorzügen der bunten Knollen. Auch in Europa ist die Kartoffel zu Hause, schon seit über vierhundert Jahren. Auch hier gab es die bunte Vielfalt auf den Feldern, in den Töpfen. Heute begnügt sich der deutsche Markt mit etwa 30 Sorten im Großanbau, alle gut lagerfähig, genormt im Aussehen, geeignet für lange Transporte- Eigenschaften, die oft auf Kosten des indi- viduellen Geschmacks und des besonderen Aussehens gingen- was für ein Verlust! Denn auch das Auge isst mit.
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Arten bewahren!
Vielfalt ist kostbar, in der freien Natur wie auf unsern Feldern, in unsern Gärten. Aber effektive Arbeitsmethoden und moderne Technik vertragen sich oft nicht mit den eigenwil- ligen Formen und Eigenschaften alter Kartoffelsorten, so mussten sie den modernen Züchtungen der Landwirtschaft weichen. Hunderte von alten Kartoffelsorten führen nur noch ein Schattendasein in Genbanken und Erhaltungszuchten. Zu Unrecht: nicht nur ihr Reichtum an genetischer Vielfalt ist ein wertvoller Schatz für uns Menschen. So vielfältig wie ihr Äußeres ist das Innere: Geschmack und Konsistenz, Farbe, Duft und Stärkegehalt machen den Unterschied. Ob die Schwarze Ungarin, der Blaue Schwede, der Rote Tannenzapfen, eine jede hat ihren Charme und soll wieder mehr Aufmerksamkeit erfahren.
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Kartoffeln haben Geschichte geschrieben
Nicht nur mit dem Erlass des preußischen Königs, der den Kartoffeln per Befehl einen festen Platz auf den Feldern verschaffte. Die gehaltvollen Knollen wurden zur Grundlage der Volksernährung, gut 120 kg aß jeder Preuße noch im Jahr 1850. Ein deutlicher Anstieg der Bevölkerungszahlen war eindeutig der nahrhaften Kartoffel zu verdanken. Geschichte schrieb aber auch die grausame mehrjährige Hungersnot in Irland, ausgelöst durch widriges Wetter und eine Pilzkrankheit, die Krautfäule der Kartoffeln. In den Jahren zwischen 1845 und 1851 verfaulte die Ernte im Boden, und zweieinhalb Millionen Menschen verhungerten oder verließen das Land auf immer. Trotzdem: Kartoffeln haben die Menschen gut ernährt, und bis zum Ende des II. Weltkriegs waren sie ein Hauptnahrungsmittel.
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